Lebensversicherung

Wann genau hat das eigentlich angefangen? Würde mein 29-jähriges Ich, während es gerade in New York ankommt und seine Unterkunft sucht, mich jetzt sehen, es würde sagen: Das bin nicht ich. Das kann nicht sein.

Sicherheit, Geborgenheit, Zuhause, Infrastruktur, Menschen, auf die ich mich verlassen können muss. Dass sind die Worte, die mir derzeit durch den Kopf kreisen. Vor 10 Jahren noch waren es Abenteuerlust, Reisefreudigkeit, Ortswechsel, Spontanität, Flexibilität – alles, nur keine Langeweile.

Wann genau hat sich das gedreht?

Wenn ich ehrlich bin, glaube ich, unmittelbar nach der Geburt des Großen. „Die Geburt wird der schönste Moment deines Lebens, an dieses Glücksgefühl erinnere ich mich immer noch“, bekam ich von erfahrenen Müttern im Verwandtenkreis zu hören. Als dieser kleine Wurm mit seinen langen Fingernägeln und der süßen Stupsnase dann da war, habe ich ihn erstmal nur bestaunt. Und als der Gatte dann sagte, er gehe mal raus, gebe allen Bescheid, da war es das erste Mal da. „Komm schnell wieder“, hab ich gesagt. Aber gefühlt habe ich, worüber ich mir in meiner unbeschwerten Schwangerschaft in dieser Weise keine Gedanken gemacht hatte: Ich bin jetzt für dieses kleine Wesen verantwortlich. Für immer. Mein Kind. Ich will es beschützen, behüten, lieben, zu einem glücklichen Menschen heranwachsen lassen. Ich muss aufpassen. Da sein. Immer. Ich will das gut machen.

Schon vorher hab ich Verantwortung getragen. Im Beruf. In der Partnerschaft. Entscheidungen treffen, ja klar. Gerne auch schnell und in Stresssituationen. Und dann mummelt sich da so ein kleiner Mensch in die Armkuhle und ich stelle plötzlich alles in Frage.

Ich bin keine ängstliche Mutter. Ich lasse sie laufen, klettern, ausprobieren, ermutige sie. Mache notfalls die Augen zu und hoffe, dass alles gut geht. Bin aber da, wenn sie mich rufen oder brauchen. Und ja, ich glaube auch, ich mache meine Sache im Großen und Ganzen gut. So gut ich kann, mit meinen Fehlern eben.

Aber die Sache mit der Verantwortung ist schwerer, als ich dachte. Wenn es gilt Entscheidungen zu treffen, dann hab ich die Kinder im Blick. Was würde es für sie bedeuten? Aber, und das ist das eigentlich Nervige, ich habe Szenarien im Kopf, an die ich früher nie dachte. Was ist, wenn ich den Job verliere? Oder der Mann? Wenn einer von uns krank wird? Wird diese Entscheidung dann noch richtig sein? A oder B, welches ist der richtige Weg? Wenn ich den falschen nehme, was bedeutet das dann für uns? ‚Ob du wirklich richtig stehst, siehst du, wenn das Licht angeht‘, höre ich Michael Schanze in meinem Kopf rufen und warte auf Erleuchtung. Am liebsten nachts, im Dunkeln.

In meiner Umgebung gibt es im Moment Menschen, die ernsthaft erkrankt sind. Die ihren Job verloren haben. Die in einer Insolvenz stecken. Die alle wahnsinnig kämpfen, wofür ich sie zutiefst bewunder. Und ich? Mir geht es gut, Mann und Kindern geht es gut. Und das würde ich gerne einfach absichern. Das Leben versichern, quasi.

Dass das nicht geht, weiß ich selbst. Ich bin vielleicht älter, spießiger, sicherheitsbedürftiger geworden. Aber nicht weltfremd. Ich bin auch immer noch reisefreudig, abenteuerlustig, spontan und flexibel. Nur eben ein bisschen anders. Die Prioritäten haben sich verschoben. Reisen müssen nicht auf einen anderen Kontinent führen, eine Nachtwanderung mit den Jungs ist durchaus abenteuerlich. Spontanität und Flexibilität ergeben sich durch Kinder eh, wenn auch anders als früher.

Und wer macht jetzt mal das Licht an?

Dann ist da gottseidank der Gatte, der damals wirklich in den Kreißsaal zurückgekehrt ist, nachdem er allen Bescheid gesagt hatte. Der immer dann stark ist, wenn ich es nicht bin. Und umgekehrt. Da ergänzen wir uns sehr gut. Und der sagt dann einfach: Das wird schon, wir machen das schon. Wenn nicht so, dann anders.

Alles wird gut. So oder so. Nicht grübeln, machen.

Zur Wiedervorlage

Eine Woche. So lang sind wir schon wieder zuhause. Und es fühlt sich viel länger an, viel weiter weg. Denn die eine Woche war vollgepfropft. Lange Arbeitswoche mit Wochenenddienst, was wiederum immer besonders anhängliche Kinder in den freien Minuten bedeutet. Kindergarten und Schule haben wieder angefangen, neue Eindrücke, die erstmal verdaut werden müssen. Und nach sieben Tagen dann alle total müde und gereizt. Alltag eben.

Gerade eine Woche ist es her, dass wir die Koffer packten, uns von der Nordsee verabschiedeten. Langeoog, „unsere Insel“, ist mein Symbol für Urlaub, fürs runter kommen. Wenn wir von der Fähre steigen, die Bimmelbahn betreten, fängt der Urlaub an. Allein die Autofreiheit bewirkt bei mir schon Entspannung, wenn es manchmal auch 2 bis 3 Tage dauert es, bis der Wind den Kopf richtig frei geweht hat. Und dann kommt man nach Hause und tritt eins, zwei, drei gleich wieder in der Tretmühle rein. Ich will das nicht. Das hatte ich mir am letzten Urlaubstag fest vorgenommen. Ich möchte meine kleinen Inseln für zuhause, Runterkommen to go quasi.

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Gut, wir haben in sämtlichen Hosentaschen viel Sand mitgenommen, aber für einen eigenen Strand wird es nicht reichen. Keiner der kandidierenden Oberbürgermeister wird die Stadt zur autofreien Zone machen. Und die Badewanne ist kein Nordsee-Ersatz. Aber es muss doch irgendwie gehen. Im Kleinen.

Die Jungs haben es mir am Wochenende vorgemacht. Sie haben den Strand und das Meer mit Lego nachgebaut. Abends wollten sie statt einer Gute-Nacht-Geschichte Kapitel aus dem Strandfunde-Buch vorgelesen bekommen. Nochmal sehen, was wir da so alles entdeckt hatten. „So eine Herzmuschel habe ich gesehen, als sie sich im Watt eingrub.“ „So ein Krebsskelett hab ich gefunden.“
Erinnern fühlt sich halt schön an, im Bauch, im Kopf, im Herz.

Das will ich auch. Wenn aus der frisch gewaschenen Wäsche immer noch ein bisschen Sand rieselt, dran denken, wie er sich beim Spazierengehen am Strand anfühlte. Wenn ich am Rhein unterwegs bin, einfach mal dem Rauschen der Wellen zuhören und denken, es sei die Nordsee, oder wie das Salzwasser auf den Lippen schmeckte. Ich werde eine Ecke für Muscheln und Strandgut schaffen. Fotos entwickeln lassen, alleine und mit den Jungs die Bilder anschauen. Das Lied, das bei der großen Gute-Nacht-Geschichten-Runde im Urlaub von Eltern und Kindern gesungen wurde, wollen wir hin und wieder auch abends singen, ich suche gleich mal den Text raus. Und an regnerischen Tagen wird Ostfriesentee getrunken.

Einfach immer mal wieder anhalten, kurz durchatmen. Alles andere ein bisschen liegen lassen. Das kann doch nicht so schwer sein. Klingt zumindest ganz einfach.

Und für alle Fälle lege ich mir diesen Text mal auf den Schreibtisch, hänge ihn an den Kühlschrank, klebe ihn auf den Staubsauger. Zur Wiedervorlage.

42

Jetzt ist sie da, in meinem Leben angekommen, die Antwort auf die ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Zumindest, wenn es nach Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis “ geht.

42

Fühlt sich nicht anders an. Nicht weiser, reifer, wissender. Nicht mal wirklich älter. Alles wie immer. 42, einfach eine Zahl. Aber, momentmal, irgendwas war da noch mit 42.

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Meine Mutter war 42 Jahre alt, als sie mich bekam. Unerwartetes Nesthäkchen nach drei schon recht großen Kindern. Oder, wie sie es meinen Freunden an meinem 18 erzählte.: „Dann sagte mir der Arzt, ich sei schwanger. Ich bekam…einen Schock.“
(Meinen liebevoll verwendeten Spitznamen in den Wochen darauf mag sich jeder denken. 😉 )

Noch ein Kind, mit 42. Ein gravierender Einschnitt. Meine Mutter hat sich in der Schwangerschaft viele Sorgen gemacht: Geht alles gut, wie alt werde ich sein, wenn es in die Schule kommt, seinen Schulabschluss macht, vielleicht heiratet…

Vor 42 Jahren galt eine schwangere Frau mit 42 eben als alt, sehr alt. So alt, dass im Krankenhaus die Visite mit dem Lehrpersonal zur frischgebackenen Mutter ins Zimmer kam, um aus medizinischer Sicht die „alte Mutter“ zu bewundern.

Mir kam meine Mutter, kamen meine Eltern generell, übrigens nie alt vor, das wurde wenn immer nur von außen an mich herangetragen. Wie bei der Einschulung, als jeder sagen sollte, mit wem er da sei und wie alt die Person sei. Ich weiß noch genau, dass das Mädchen vor mir unter anderem in Begleitung ihrer Oma da war. Die genauso alt war wie meine Mutter. Oma und meine Mutter, dass ging mir gegen den Strich. „Meine Mutter ist sehr jung“, soll ich unerwartet bestimmt gesagt haben.

Überhaupt sagt meine Mutter heute, ich hätte sie jung gehalten. Das Beste, was ihr passieren konnte, ein Kind, dass sie nochmal auf Trab hielt. Ein Jahr nach meiner Geburt haben sich meine Eltern zudem selbstständig gemacht. Erst ein, später zwei Geschäfte mit Baby bzw. Kleinkind am Rockzipfel und drei größeren Kindern, die dann eben auch mit aufpassen mussten.

42 ist heute gesellschaftlich betrachtet nicht mehr „alt“, werdende Mütter in dem Alter gibt es öfter. Ich könnte es mir derzeit nur schwer vorstellen, noch einmal von vorn zu beginnen, mit einem dritten Kind. Fühle mich komplett, so wie es ist. Genieße, die beiden Jungs wachsen zu sehen, auch ihre zunehmende Selbstständigkeit.

Aber eines macht mir diese neue Zahl bewusst. 42 ist eben nur eine Zahl wie viele andere, nicht jung oder alt, sondern das, was man draus macht. Das Leben dreht sich immer weiter. Es hält stets Veränderungen, neue Wege und Überraschungen parat. Wunderschöne, traurige, nervige, herzerwärmende Momente. Wer weiß schon, wohin der Weg führt. Einfach gehen. Mal abbiegen, in eine Sackgasse rennen, wieder zurück zur Kreuzung, andere Strecke ausprobieren. Jeden Tag. Und dabei zwischendurch nicht vergessen zu lächeln oder besser noch – zu lachen.

Douglas Adams hat übrigens in einem Interview mal gesagt, er habe die 42 als Antwort genommen, weil sie ihm gerade eingefallen sei. Später hätte er vielleicht eher die 36 genommen. Aber vielleicht ist die Antwort auch 24 oder 63 oder 84. Eigentlich egal. Eigentlich sollte man doch einfach nur das Leben genießen. Jeden Tag ein bisschen.

Minga, Oida

Geschafft. Jetzt hat mich der Mann nach 19 Jahren doch tatsächlich mal mitgenommen nach München. Und die Kinder gleich dazu. Drei Tage, um lange gepflegte Ressentiments zu überprüfen.
Was soll ich sagen? Zwei total glückliche Kinder, ein stolzer Papa. Und mir hat es auch noch gefallen.

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Als erstes ist mir aufgefallen, wie sauber die Stadt ist. Ha, wusste ichs doch. (Vielleicht aber ist vor allem Köln einfach nur so dreckig?) Aber München ist eben auch schön.  Badende an der Isar. Bier unter Kastanienbäumen (Kastanien, ey mein Herz). Und ja, das Stadion ist wirklich beeindruckend, von außen. Und so 68 000 Leute, die einer Mannschaft zujubeln, das hat schon was. Auch, wenn es weiterhin die falsche ist ;).

Und nie würde ich auf die Idee kommen, den Viktualienmarkt mit dem Karlsplatz in Düsseldorf zu vergleichen. Aber die Pferdemetzgerei rief doch Assoziationen wach. Und dann wehten auf dem Marienplatz noch Regenbogenfahnen. Ein bisschen wie Köln. Ich muss zugeben: Man kann sich dort wohlfühlen.

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Vor allem aber: Die Menschen waren so nett. Und herzlich. Nix mit Ressentiments. Alle kaputt. Es war einfach schön. Einziges Manko: Es liegt so weit weg. Aber: Ich habe weder Weißwürstl, noch Obazda noch Wurstsalat gegessen. Ich muss also wohl nochmal hin. Neben den vielen anderen guten Gründen, die mir dafür auch noch einfallen.

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Jedes Familienmitglied fand übrigens etwas anderes toll. Und daher soll jeder selbst zu Wort kommen (und im Bild zeigen, was ihm gefiel. Deshalb auch das gemalte Werk vom Großen).

Rosa: Biergärten unter Kastanien, dazu das selber Mitbringen können von Kartoffelsalat & Co. Die Erinnerungs-Kieselsteine aus den Schuhen haben die Kinder aber doch in der Jugendherberge zurückgelassen.
Außerdem: Den stolzen Papa und die beiden aufgeregten Jungs vorm Stadion. Und die Erkenntnis, dass die Kinder jetzt so groß sind, dass auch Städtetrips allen zusammen schon Spaß machen können. Hauptsache, man fährt zwischendurch mal Rolltreppe (s.u.).

Paule: Münchner Freunde treffen zu können und meiner Familie diese tollen Eindrücke geschenkt zu haben.

Großer: Alles. Das Stadion. Die Seifenblasen-Experimente im Kindermuseum. Der FCB-Mannschaftsbus auf der Straße. So viele Menschen im Trikot.

Kleiner: Rolltreppen- und U-Bahn fahren. Und [nach kurzem Abstecher nach Oberhaching, Anm. der Redaktion] können wir ein Baumhaus haben?

Also: heute ist nicht aller Tage, wir kommen wieder, keine Frage!

Praktika gesucht

Wie hast du dich auf das Familienleben vorbereitet? Äh, die Frage machte mich kürzlich stutzig. Ich habe mich nicht vorbereitet. Es ist über mich hereingebrochen. Mit vielen vorher unvorstellbaren Nuancen. Aber vielleicht hätte mir jemand sagen können, dass es gut wäre, einige Praktika zu machen. In verschiedenen Berufszweigen. Also, wenn ich was empfehlen sollte, dann diese:

1. Wrestling

Ein Tag würde reichen. Aber probiert es wenigstens. Nur ein Schnupperkurs. Versucht ein Gefühl dafür zu bekommen, einen Sturz auf euch abfangen zu können. Einer Kopfnuss elegant auszuweichen, einen Tritt in die Magengrube auszuhalten. Mit Kindern nennt sich das später Kuscheln und Knuddeln.

2.Ringrichter/in

Wenn ihr dann schon mal in so einem Boxring, einer Wrestlingarena seid, holt euch Tipps von einem Ringrichter/ einer Ringrichterin. Beobachtet, wie sie die scheinbar wildgewordenen Wesen auseinanderbekommen, in welcher Tonart sie mit ihnen sprechen. Spätestens wenn ihr zwei Kinder habt und das eine den Legoturm des anderen zerdeppert, werdet ihr dieses Wissen brauchen.

3. Kundenservice

Sucht euch ein Unternehmen, auf das jeder schimpft, mit dem jeder schon mal schlechte Erfahrungen gemacht hat. Dann setzt euch eine Stunde in dessen Kundenservice/ in die dortige Beschwerdestelle. Wenn ihr das Gefühl habt, euch klingeln die Ohren, weil alle gleichzeitig sprechen und ihr an euch halten müsst, um dem nächsten Kunden nicht ein „Machen sie ihren Kram doch alleine“ an den Kopf zu werfen und trotzdem einfach nur atmet, seid ihr auf ein wesentliches Element des Familiendaseins vorbereitet.

4. Im medizinischen Bereich

Sich hier vorab einmal umzuschauen hilft, damit man beim Kinderarzt nicht allzu blöd drein schaut, wenn man mit kuriosen Diagnosen konfrontiert wird. So lassen sich Dialoge wie „Hand-, Fuß-, Mundkrankheit – ist das sowas wie Maul-und-Klauenseuche?“ vermeiden. Bei Hüftschnupfen stellt man sich dann vielleicht nicht erschrocken ein niesendes Skelett vor. Und wenn Ärzte im Krankenhaus Wetten abschließen, ob wirklich eine kleine Weintraube in der Speiseröhre des Kindes stecken bleiben und wie diese per Endoskop in den Magen geschubst werden kann, nimmt man das vielleicht mit Humor. Zumindest hat man den mancher Mediziner dann schon mal kennengelernt.

5. Raubtierdompteur/in

Gibt es noch einen Zirkus mit Raubtieren? Eigentlich nicht mein Ding. Aber wenn es jemand schafft, einen Löwen durch einen brennenden Reifen springen zu lassen, dann kann er einem vielleicht auch beibringen, wie man einem Kind Augentropfen verabreicht, Fußnägel schneidet oder Sonnenmilch aufträgt.

6. Trickspieler/in

Ihr trefft einen Hütchenspieler in der Fußgängerzone oder einen Zauberer auf einem Fest? Macht ein Praktikum. „Ich will aber nicht das Glas, in dem weniger drin ist, die kürzere Salzstange, das Stück Käse ohne Löcher.“ Lernt, ruckzuck hinter eurem Rücken und vor den Augen der Kinder einen Schluck abzutrinken, Salzstangen zu justieren und abgezählte Löcher in den Gouda zu pieksen.

7. Verkäufer/in

Geschickte Verkaufsprofis überzeugen ihren Kunden von jedem Produkt. Eignet euch diese Taktik an. Aus „dieses Kleid unterstreicht ihre schlanke Silhouette, wenn man von der Seite schaut“ wird dann eben „Du wolltest kein geschnittenes Brot. Ach, ich dachte es passt so gut zu dir, weil es so viele Stücke sind, wie du alt bist“. Bingo, gekauft, äh, gegessen.

8. Management

Auch hier ist wieder die Wahl des Unternehmens wichtig. Entscheidet euch für eines mit knallhartem Management. Und dann beobachtet, wie die Führungsriege Wünsche abschlägt. Konsequent „Nein“ sagt. Es wird euch nicht unbedingt helfen, wenn das Kind mit großen Kulleraugen vor euch steht und unbedingt fünf Bällchen Schokoeis haben will, oder es in den Sitzstreik tritt, weil es den Ball an der Kasse nicht bekommt. Aber ihr wisst dann schon mal, wie es sich anfühlt, trotzdem „Nein“ zu sagen.

9. Sekretariat

Termine koordinieren, Auslandsreisen strukturieren, improvisieren wenn spontan Geschäftstermine anberaumt werden. Eine bessere Schulung gibt es nicht dafür, einen Haushalt samt den Terminen zweier Berufstätiger, eines Schul- und eines Kitakindes zu organisieren und abzugleichen.

10. Lachyoga

Der, noch nicht lachen, Lachverband, also der Bundesverband für Lachyoga und Humortraining, bildet Lachtrainer aus und bietet Praktika an. Grundloses, erleichterndes Lachen erlernen ist die wichtigste Voraussetzung fürs Elterndasein. Du wachst morgens mit einem kleinem Fuß im Ohr auf, das Schokobrot landet natürlich mit Schokoseite auf dem Boden, du bemerkst erst im Büro, dass der Marmeladenkuss die weiße Bluse traf – lach dich weg. Professionelles Grundwissen kann nicht schaden und schon lacht die ganze Familie. Okay, andere halten euch vielleicht für verrückt. Aber hallo, ihr seid eine Familie, die sind so.

Habt ihr weitere Ideen? Freue mich über jeden Fortbildungsvorschlag.

Zwei Hände sind nicht genug

Zwei Kinder, das ist doch ideal. Ein Geschwisterchen zum Spielen, zum Knuddeln, dem man als großer Bruder zur Seite stehen kann. Ja, genauso hatten wir uns das vorgestellt. Für uns stand immer fest, wenn Kinder, dann möchten wir zwei.

Ich bin auch immer noch davon überzeugt, dass es für uns genau die richtige Entscheidung war und ist. Dass es beiden Jungen gut tut, einen Bruder zu haben. Es gibt oft genug Momente, in denen man genau spürt, wie wichtig sie füreinander sind. Wenn der Große dem Kleinen das ABC erklärt, wenn der Kleine als erstes dem Großen erzählen muss, dass er in der Kita ein Tor gemacht hat. Natürlich geraten sie sich auch in die Haare. Oft. Manchmal hat man das Gefühl, sie tun es ständig. Aber auch das gehört dazu. Und mittlerweile sind sie einander auch kräftemäßig recht ebenbürtig, dann greift man nicht oder erst spät ein.

Völlig unterschätzt haben wir aber, wie wir zwei Kinder unter einen Hut bringen. Zwei eigenständige Köpfe, um nicht zu sagen, durchaus zwei Dickköpfe, die wissen, was sie wollen. Oder eben, was auch nicht.

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In unserer meiner Vorstellung sah es immer so aus: Wochenende, ein Elternpaar macht mit seinen zwei entspannten Kindern einen wunderbaren Ausflug, viel Lachen, pure Harmonie, alle sind glücklich. Und außerdem galt für mich immer: ich hab zwei Hände, das passt doch mit zwei Kindern.

Gut, Alltag ist anders, ist schon klar. Das war ja auch nur das Traum-Ideal. Dennoch habe ich die Realität unterschätzt. Es sind Phasen, die vergehen. Das gilt für vieles in der Kinderentwicklung und beim zweiten wartet man vieles dementsprechend noch ab, während man beim ersten noch die Ursache suchte. Aber derzeit haben wir eine Phase, die uns die gemeinsamen Wochenende oft echt zur Qual macht.

Also, Ideal: Ich freue mich (immer wieder aufs Neue) auf das gemeinsame Frühstück, ein bisschen Spielen mit den Kindern, ein bisschen Spielen der Kinder miteinander, gemeinsame Erlebnisse.

Die Realität beim gemeinsamen Frühstück am Wochenende sieht dann so aus:

„Was machen wir heute, mir ist langweilig“, klagt der Große. „Ich will nicht raus. Ich will hier spielen“, beginnt der Kleine zu kreischen. „Fahrradtour.“ „Zuhause bleiben. „Raus.“ „Nein.“ „Doch.“ „Nein“…

Manege frei für zwei Kampfhähne. Der Große braucht Bewegung, am liebsten 12 Stunden täglich mit dem Ball. Der Kleine möchte nach der Kita-Woche einfach nur Ruhe, ungestört mit seinem Spielzeug spielen, vielleicht mal in den Garten. Zwischen ihnen liegen nicht nur 2,5 Jahre, sondern eben auch völlig unterschiedliche Bedürfnisse.

Deshalb sehen unsere Wochenenden derzeit dann gerne auch mal so aus: Papa geht mit dem Großen kicken, Mama spielt mit dem Kleinen ‚Tempo, kleine Schnecke‘. Oder Papa baut mit dem Kleinen ein Lego-Haus, während Mama mit dem Großen eine Radtour macht.

Es gibt Schlimmeres, klar. Aber es nervt. Und kostet auch enorm Kraft. Weil wir momentan oft das Gefühl haben, nicht mehr als Familie etwas machen zu können. Und wenn, nur mit größter Überzeugungskraft, viel gutem Zureden, lautem Geheule und Geschimpfe. Weil ich eben auch gern mal mit dem Mann und den Kindern etwas machen möchte.

Dazu kommt die Eifersucht des Großen, die er erst in den letzten Jahren stärker entwickelte. Die Angst zu kurz zu kommen, während ich eher das Gefühl habe, der Kleine steckt mehr zurück. Weil er es immer schon so kennt, dass da noch jemand ist. Und da ich nicht will, dass einer von beiden das Gefühl hat, zu kurz zu kommen, schaue ich, dass ich für beide immer auch Exklusivzeiten einrichte. Denn gegen besseren Wissens läuft in meinem inneren Kino doch immer wieder mal der eine Film: Und täglich grüßt das schlechte Gewissen.

Wer zu kurz kommt, ist dann das Elternpaar, das man ja auch noch ist. Und/oder man selbst.

Wenn die Kinder dann abends friedlich schlafen, dann träume ich: Von einem Urlaub am Meer zu Viert. In voller Harmonie. Mit ganz vielen gemeinsamen Familienerlebnissen. Ist ja noch ein bisschen Zeit bis zum Sommer. Denn das ist nur eine Phase. Das wird schon, oder? ODER?

Ménage-à-trois oder auch: Gratulation

Er lacht über die gleichen Sachen. Freche Bemerkungen kann er kontern. Er sieht gut aus. Er lächelt mit den Augen.

HALT!

Spätestens hier sollte man vorbereitet, frühzeitig von den Eltern aufgeklärt worden sein. Bevor sich die berühmten Schmetterlinge in den Innereien einnisten, sollte jeder – geben Sie das ihren Kindern mit – dem potenziellen Partner möglichst noch in der Stunde des Kennenlernens zwei Fragen stellen:

1. Bist du Fußballfan?

2. Wenn ja, welcher Verein?

Wird Frage 1 mit „Ja“ beantwortet, sollte man sich der Konsequenzen bewusst sein. Wochenenden sind zum größten Teil verplant. Entweder derjenige steht auf dem Platz, weil er spielt. Oder er schaut zu. Wenn die beste Freundin mit dem Tennispartner also fragt, ob man sich am Samstagnachmittag nicht zu Viert zum Grillen treffen möchte, wird man die nächsten Jahre/Jahrzente antworten: Gern, so ab 17.15 Uhr? Und möchte man mal tanzen gehen, zwickt bei aktiven Ballkünstlern ggf. der Meniskus oder irgendein Band.

Hat er auf Frage 2 eine Antwort parat, fiebert er seit ewigen Zeiten für einen speziellen Verein mit, ist besondere Vorsicht geboten. Man muss sich dann klar machen: Ich werde nie die einzige sein.

Der Verein ist die Liebe, die meist zuerst da war. Und schlimmstenfalls vielleicht auch länger bleibt als man selbst. Also entweder man arrangiert sich mit dieser Geliebten, die so ganz andere Vorzüge hat als man selbst. Oder man flüchtet nach Beantwortung der Fragen flux durch eine Hintertür.

Lässt man sich aber drauf ein, sollte man sich der vollen Tragweite der Entscheidung bewusst sein.
Beim Zusammenziehen ist die Möbelauswahl das geringste Problem. Vielmehr wird die Diskussion geführt, wie viel – in unserem Falle – rot-weiß in die Wohnung darf. Und in welche Ecken. Klare Abmachungen sind wichtig: Ein Schal und ein Mannschaftsposter im Arbeitszimmer, aber hinter meinem Rücken platziert! Niemals Bayern-Bettwäsche im gemeinsamen Bett!

Der Terminkalender wird vom Fußball bestimmt sein. Und damit meine ich nicht nur, oh ein Samstagabendspiel – gehen wir also Sonntag ins Kino. Die Liebe zum Verein, hier also zum FCB, greift tiefer ins Leben. Man muss durch schwere Zeiten, indem man den Mann zu einem Spiel gegen die Mannschaft, mit der man aufwuchs, begleitet, was eine sehr schmerzhafte Erfahrung sein kann.
Man muss anders planen und organisieren. Heiraten, gerne – aber in der Sommerpause. Kinderkriegen bitte entweder in der Winterpause (K1) oder wie bei K2 in der Nacht auf einen Montag. So ist Frau und Nachwuchs volle Aufmerksamkeit gewiss.

Was viele aber vorher nicht berücksichtigen: Vereinsliebe ist vererbbar. Von wegen mit der Muttermilch aufgesogen. Ganz subtil im Schlaf eingepflanzt. Schlaf, Kindchen, schlaf. Und ist die Mutter aus dem Raum: Stern des Südens. Oder solche Angebote wie: Ruh‘ dich etwas aus, ich nehme den Kleinen so lange. Am Samstagnachmittag. Auf Papas Bauch schlummern, während der FCB guckt. Sieben Jahre später wird man sehen, was man davon hat. Ein Kind, dass sein Taschengeld auf dem Flohmarkt nicht für Spielzeug, sondern für einen FCB-Turnbeutel ausgibt. Das bittere Tränen weint, wenn sein Neuer-Glas kaputt geht und untröstlich ist, wenn der Verein unentschieden spielt. Kinder, die im Garten nicht nur Fußball spielen, sondern auch Meisterschaftsfeier. Dabei hintereinander herlaufen, um sich Apfelschorle über den Kopf zu schütten.

Noch legt der Kleine mir hin und wieder die Ärmchen um den Hals und flüstert: Mama, Fortuna ist auch ganz toll. Aber spätestens in zwei Jahren will er garantiert auch ein rotes Trikot. Vom FCB.

Das Schlimmste aber ist: Nach einer gewissen Zahl an Jahren merkt man die Unterwanderung der eigenen Einstellung. Nenn mir schnell zwei Fußballer, die du toll findest/fandest, fragen die Kinder. Und man hört sich antworten: Lizarazu und Brazzo. Man ertappt sich vorm Kaufhaus mit einer FCB-Bettwäsche in der Tüte – fürs Kind. Und trinkt plötzlich lieber ein bayrisches anstelle eines Alt-Biers.

So ist das mit diesen speziellen Geliebten. Lässt man sich auf diese Ménage-à-trois ein, dann kann es passieren, dass man sich so an sie gewöhnt hat, dass man sie irgendwann ein klitzekleines-mini-bisschen mag. Was ich aber nie laut sagen würde.

So, jetzt muss ich mit den Kindern Konfetti basteln. Wir haben eine Meisterschaftsfeier vorzubereiten. In diesem Sinne:

25. Meisterschaft – herzlichen Glückwunsch, FCB!

Das lästige Handgepäck

Ich packe meinen Koffer. Und die Tasche der Kinder. Die wiederum packen ihre Rucksäcke.

Vier Tage Holland im April, Mama und die Jungs und die Teenie-Nichte. Ich komme mir vor, als würden wir drei Wochen verreisen. Warme Pullis. Shirts. Sportschuhe. Badesachen. Gummistiefel. Dicke Jacken. Dünne Jacken. Jede Menge Gepäck eben.

Und dann ist da noch mein Handgepäck. Der Feind jeden Urlaubs. Die Tasche mit den Erwartungen. Zum Beispiel ausgelassene Kinder gehören dazu. Die begeistert toben, spielen, den ganzen Tag draußen sind und abends erschöpft und total müde unter der Bettdecke verschwinden. Jede Menge Spaß ist dabei. Auf Trampolinen hüpfen, Fußball spielen, durch den Wald laufen, Füße in den kalten See tauchen. Vla essen. Viel Lachen, herumalbern. Die Vorstellung trotzalledem auch ein bisschen Zeit für mich zu haben, in meinem Buch weiterzulesen. Durchzuatmen, aufzutanken.
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Ganz unten im Handgepäck sind dann noch die Befürchtungen. Streitende Kinder (davon hatten wir an Ostern ausreichend Kostproben). Strapazierte Nerven. Schlechtes Wetter. Nicht durchgeschlafene Nächte in fremder Umgebung. Unausgeglichen oder gar ungerecht sein.

So, und jetzt soll das ganze Gepäck ins Auto. Ein bisschen Verpflegung natürlich auch noch. Und selbstredend die Nichte samt ihren sieben Sachen.

Ich glaube, das Handgepäck muss jetzt einfach dem Platzmangel weichen. Erwartungen und Befürchtungen einfach zurücklassen? Ich könnte es ja mal versuchen. Los fahren und gucken was kommt. Klingt eigentlich ganz gut. Ich kann nichts versprechen, aber ich versuche es.

Wir sind dann mal weg.

Kreatives Chaos

Ordnung ist das halbe Leben, heißt es. Gut. Wir leben in der anderen Hälfte.

Sollte ich für mich typische Eigenschaften nennen, „ordentlich“ oder „ordnungsliebend“ wäre mir nie eingefallen. Man darf meinem Zuhause ansehen, dass ich darin lebe. Es ist kein Museum. Die Zeitung liegt so auf dem Tisch, dass man erkennt, dass sie intensiv gelesen wurde. Meine Tee- oder Kaffeetasse, je nach Gemütszustand, darf rumstehen. Sie sollte eh immer einsatzbereit sein.

Aber seit ich Kinder habe, merke ich, im Großen und Ganzen bin ich eigentlich gern ein aufgeräumter Mensch. Ich möchte meine Sachen so zusammenlegen, dass ich sie ohne langes Nachdenken finde. Die Armbanduhr auf meinem Nachttisch. Der Schlüssel am entsprechenden Bord. Die Büchereikarte an ihrem Platz.

Und dann betrete ich das Kinderzimmer.

Meine Kinder sind Sammler. Als Berufswunsch hat der Große mal „Sachensucher“ angegeben, wie Pipi Langstrumpf. Er sieht alles. Den Knopf auf der Straße, den Würfel an der Bushaltestelle, die Papageienfeder im Gebüsch. Und alles kann er gebrauchen. Der Kleine liebt Steine und Stöcke. Da die nicht alle im Haus Platz finden würden, liegt in der bepflanzten Parzelle vor der Haustür mittlerweile eine Stockfamilie.

Wir haben durchaus ein ausgeklügeltes Aufbewahrungssystem. Spezielle Schatzkisten für die Fundsachen. Eine Kiste für Lego, eine Kiste für Playmobil. Die großen Autos in einer weiteren. Die Bücher haben im Regal Platz. Puzzle und Spiele an anderer Stelle u.s.w.. Nur leider hält dieses System dem Spielverhalten der Jungs nicht stand.

Beispiel gefällig? Am Wochenende sahen wir zufällig die ersten Kirmeswagen anrollen. Bald ist am Rhein Osterkirmes, die Fahrgeschäfte wurden aufgebaut. Spannend. Wir haben ein bisschen zugeschaut. Und zuhause wurde gleich selbst eine Kirmes aufgebaut. In harter, akribischer Arbeit. Die Holzeisenbahn diente als Achterbahn. Ein mit Rettungsfolie überzogener Karton (Überbleibsel vom Ägypten-Geburtstag, der nicht weggeworfen werden darf) wurde – bestückt mit Schuhen und Plüschtieren – zum Autoscooter. Die Playmobilfiguren standen schon Schlange. Aus Lego wurde noch ein Kinderkarussell gebaut. Zum Entspannen hatte der Kleine noch eine Leseecke in die Kirmes integriert. Das ganze wird ausgiebig bespielt. Und muss natürlich stehen bleiben, bis der Papa es auch gesehen hat. Und gerne auch länger.

An guten Tagen sehe ich die Kreativität, den Ideenreichtum, die Leidenschaft, die Detailverliebtheit. Natürlich soll mühevoll aufgebautes nicht gleich weggeräumt werden. Aber. An schlechten Tagen trete ich aus Versehen auf ein Legobauwerk, weil man nirgendwo mehr stehen kann (Schmerzensschreie der Mutter werden abgelöst vom Weinen der jungen Bauherren). An schlechten Tage sehe ich nicht die liebevoll gebastelten Kirmesschilder, sondern die auf dem Boden liegenden Stifte und die Schere. Neben den übriggebliebenen Schnipseln. Dann frage ich mich, warum man alles ausschütten muss, nicht in den Mülleimer räumen kann und wer bitteschön auf die verrückte Idee kam, dass Playmobilfeuerwehrleute abziehbare Minihandschuhe tragen und dass selbst diese Minifuzzi-Visiere von den Helmen ablösbar sein müssen.

Dann frage ich mich, wo all meine Aufforderungen, Erklärungen, Bitten, Ermahnungen denn wohl hin verhallt sind. Bevor man ein neues Spiel aufbaut, räumt man das andere erst einmal weg. Pustekuchen. Erziehung ist Vorleben, heißt es so schön. Aber daran kann es nicht liegen, denn der Mann und ich räumen – vor allem seit wir Kinder haben – gerne auf. Wir haben auf unterschiedlichste Art probiert zu vermitteln: spielerisch, als Wettbewerb verpackt, mit Schimpfen und auch schon mal mit der blauen-Mülltüten-Androhung. Mal funktioniert es, meist verhallt es. Und dann gesteht man sich eben ein: hier bin ich wohl gescheitert, mit meinem Latein am Ende.

Das Interessante ist dann aber: wenn man den Kleinen in der Kita abholt, dann ruft er einem gerne zu: „Ich muss noch eben aufräumen“. Und wenn man mal in der Schulmensa zum Essen eingeladen wird, sieht man, wie der Große ohne jegliche Aufforderung den Tisch abräumt und anschließend noch abwischt.

Es geht eben doch. Nur nicht unbedingt zuhause. Oder anders als man denkt.

Als ich kürzlich dem Kleinen sagte, er solle jetzt doch endlich mal aufräumen, da war das Zimmer nach zehn Minuten blitzblank. Die Spielteppiche samt Spielzeug lagen ordentlich zusammengerollt in den Ecken. Da musste ich mir doch wieder eingestehen: Sie sind vielleicht nicht ordentlich, aber Ideen haben sie.

Ich versuche also mehr das Kreative zu sehen. Und wenn man in die Hocke geht, hat man manchmal einen anderen Blickwinkel. Dann hat das Chaos sogar irgendwie System. Meistens hilft auch: Atmen. Und die Frage: Wie ordentlich müssen Kinder sein?

So. Jetzt habe ich mir genug Mut angeschrieben. Jetzt wage ich mich ins Kinderzimmer. Ich erwarte ein Höchstmaß an Ideenreichtum. Eine große Beobachtungsgabe, gepaart mit detailverliebtem Nachspielen des Gesehenen. Gestern war in unserem Viertel Sperrmüll.

Dieser Blogbeitrag ist auf Anregung von @aluberlin und ihrer Blogparade #geschichtenvomscheitern entstanden.

Wo bitte ist die nächste Tankstelle?

Es ist jetzt ziemlich genau zwei Jahre her, da kam ich von meiner Mutter-Kind-Kur zurück. Drei Wochen Auszeit von Alltag, Job, Zuhause. Drei Wochen sich selber in den Mittelpunkt stellen, auf den eigenen Körper achten, Sport machen, drei geregelte, warme Mahlzeiten am Tag, weil die Kinder in ihrer Gruppe aßen.

Ich gebe zu, es hat einige Zeit gedauert, bis mich der Gatte und eine Freundin überzeugt hatten, die Kur zu beantragen. Man hört ja meist nur Schlechtes. Kinder, die sich nicht wohlfühlen. Magen-Darm oder sonstige schreckliche Viren, die einem den Aufenthalt verderben. Gruppenkoller nach drei Wochen mit lauter Müttern und Kindern, die man nicht mag.

Ich hatte Glück. Und eine gute, für mich genau passende Kurklinik-Empfehlung. Die erste Prämisse hier war: Sie sind in einer Mutter-Kind-Kur. Es dreht sich hier also ersteinmal um Sie. Wobei, dass sei gleich eingefügt, die Kinderbetreuung war toll, eine Grundvoraussetzung für entspannte Mütter. Meine Jungs reden heute noch mit Begeisterung von ihren Erzieherinnen, den Dingen, die sie getan und erlebt haben. Und ja: Ein Erkältungsvirus hat mich und den Jüngsten ein paar Tage heftig gequält. Aber im Gegensatz zu daheim musste ich mich um nichts kümmern. Mir wurde Essen ins Zimmer gebracht, die Kinderärztin war im Haus, die Kita des Großen ebenso. Und auch nachts war eine Krankenschwester im Notfall erreichbar. Und nicht zuletzt: Ich habe dort zwei tolle Freundinnen kennengelernt.

Das Wichtigste, was ich aber aus dieser Zeit an der Ostsee mitgenommen habe, ist, auf meine Bedürfnisse zu achten. Klappt zugegebenermaßen nicht immer, aber dafür habe ich meine Kladde mit den Kur-Erinnerungen. Ermahnungen wäre vielleicht das bessere Wort.

Damals ging mir nach fünf Jahren Schlafmangel einfach die Kraft aus. Mein Immunsystem nahm -im negativen Sinne – mit, was es kriegen konnte. Das war ich, die immer fitte, nicht gewohnt. Selbst wenn ich die (kinderfreie) Gelegenheit hatte, durchzuschlafen, mein Körper verweigerte mehr als vier Stunden Schlaf. Ich lag einfach wach. Deswegen dachte ich auch, als ich die Kur antrat, das Einzige was mir fehlen würde, wäre Schlaf.

Aber ich habe gelernt. Es war nicht der Schlaf, der fehlte. Sondern das Runterkommen, Abschalten, Auftanken. „Suchen Sie sich ihre persönliche Tankstelle“ war der beste Rat, der mir mitgegeben wurde. In der Kur war es die Ostsee. Laufen am Strand, danach fühlte ich mich gestärkt.

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Zuhause habe ich auch eine Tankstelle gefunden. Mir wurde schon während der Kur klar, wo sie liegen würde. Am Wasser, genauer gesagt am Rhein. Als der Große frisch geboren war, habe ich hier ständig unbewusst getankt. Spazierengehen und wenn er friedlich schlief, einfach auf eine Bank setzen und Wasser, Sonnenstrahlen, Wind genießen. Aber der Alltag holt einen eben schnell ein. Ob nun mit Kindern oder ohne.

Wenn es jetzt mal wieder ein bisschen viel wird, wie in der vergangenen Woche, das Ich hinter den Ferientagen der Kinder, den Terminen des Mannes, den Anforderungen im Büro, dem tollen zusätzlichen Auftrag, den man nicht ablehnen kann und möchte, zurückfällt, dann brauche ich einen Zwischenstopp an meiner Tankstelle.

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Einfach auf einen dicken Stein ans Wasser setzen. Luft holen. Wellen zuhören. Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Es gibt für mich nichts Besseres.

Funktioniert übrigens auch mit den Kindern. Denn beide lieben die kleinen Buchten am Rhein, kennen keinen schöneren Spielplatz. Hier kann man in Bäumen klettern, als Pirat vorbeifahrenden Schiffen auflauern, nach angeschwemmter Beute suchen, Dämme bauen.

Und dann ist mein Akku wieder für eine gewisse Zeit voll. Mal mehr, mal weniger. Ich muss mich daran erinnern, manchmal auch ermahnen. Aber es tut mir so gut. Und allen anderen um mich herum ebenfalls.

Einen schönen Start in die neue Woche, mit hoffentlich vollem Tank!